Ein Besuch bei der IFA 2007 in Berlin

Die IFA (Internationale Funkausstellung) ist sicherlich eine der größten Messen für moderne Unterhaltungselektronik weltweit. Dieses Jahr passte bei mir Zeit und auch das nötige Interesse zusammen, um mir die Messe erstmals anzuschauen.

Als Besuchstermin wählte ich dafür Dienstag, den 04. September 2007. Da ich Urlaub hatte, stellte dies kein Problem dar und ich entging damit dem Ansturm am Wochenende und erhoffte mir dadurch ein intensiveres Erlebnis. Die Tickets vorher schnell im Internet per Kreditkarte gekauft, damit ich auch definitiv nicht an der Kasse anstehen muss. Mit einem Preis von 13 Euro, erschien mir die IFA dann doch eher preiswert, aber man möchte dem Kunden ja auch etwas verkaufen und als Hersteller dadurch die Einnahmen machen. Der Vorgang der Bestellung ging problemlos und ich konnte mit mein Ticket direkt zu Hause ausdrucken.

Kurz vor 8 Uhr startete ich von Dresden Richtung Berlin um die IFA möglichst pünktlich 10 Uhr zu betreten. Eine großartige Anfahrtsbeschreibung habe ich mir dabei nicht ausgedruckt, sollte doch die Messe ausreichend in Berlin ausgeschildert sein. Ein großer Fehler meinerseits, denn aus Richtung Dresden gab es keinerlei Hinweise auf das Messegelände am Funkturm, wo die IFA jährlich stattfindet. Glücklicherweise kenne ich mich ein wenig in Berlin aus und wusste auch, wo in etwa der Funkturm in Berlin ist. Allerdings fuhr ich dabei quer durch die Stadt und habe die exzellenten Straßenbaukünste der deutschen Hauptstadt bewundern können. Durch Bauarbeiten wurde die Hauptzufahrtsstraße in die Stadt auf eine Spur reduziert. Zwischendurch lässt man dann mal wieder dreispurig fahren, damit sich alle nach wenigen Metern wieder auf einer Spur einfädeln müssen. Exzellent!
Da ich die Richtung wusste kam ich dann auch mehr und mehr in die Nähe der IFA, aber nach wie vor sichtete man nirgends auch nur einen Hinweis für auswärtige Autofahrer. Erst im näheren Umkreis findet man dann die ersten Ausschilderungen, man sollte dabei aber auch teilweise wissen, dass das ICC sozusagen auch zum Messegelände gehört, ansonsten verpasst man ganz schnell auch mal die passende Abbiegung.
Nun hieß es Parkplatz suchen, was nicht so einfach ist und letztlich landete ich irgendwo abseits und musste dafür ganze 6 Euro berappen. Das ist schon eine kleine Frechheit, da der Parkplatz doch sehr weit abseits lag und auch kein Messeshuttle eingesetzt wurde, der dies rechtfertigen würde. Aber was sollte man sich da weiter Gedanken machen.
Kurz nach 11 Uhr, nach einigen Umwegen durch die Berliner Innenstadt, die ich wegen fehlender Ausschilderung durchfahren habe, konnte ich dann endlich die IFA betreten.

Auch wenn ich durch die Anfahrt schon ein wenig die Nase voll hatte, hoffte ich, dass sich meine Laune mit dem Messebesuch besser würde. Ich erhoffte mir ja doch ein wenig was aus dem Besuch. Zusammenfassend möchte ich aber schon vornweg nehmen, dass mich der Besuch enttäuscht hat.

Gefühlte 75% der Messefläche dienten zur Ausstellung der neusten Modelle von LCD-Fernseher. Verschiedenste Hersteller, darunter alle bekannten, aber auch viele namenlose, versuchten sich hier in Größe und Qualität zu toppen. Das Resultat eindeutig, alle ahnungslosen Menschen stehen davor und sind begeistert von vorgefertigten HD-Bilder, die auf den Fernsehen laufen. So würde Fernsehen Spaß machen, über PAL-Qualitäten des normalen Fernsehens wird natürlich hier geschwiegen. Ich möchte nicht wissen, wie viele enttäuschte Besitzer eines neuen Großbildschirms sich bald zu Hause wundern werden, wenn sie die wahre Qualität sehen. Denn je größer umso auffälliger wird da natürlich die Qualität zur Röhre werden. Da ich selbst bereits einen LCD-Fernseher habe, interessierte mich der Bereich natürlich ohnehin nicht. Natürlich habe ich der Größe mit 26 Zoll nicht übertrieben und auch preislich eher nicht gespart.
In diesem Zusammenhang gab es natürlich auch passende Erweiterungshardware, um das TV-Erlebnis zu Hause noch viel besser auskosten zu können. Die neusten Heimkinosysteme setzen dabei auf das eigene Netzwerk und ermöglichen es, Filme oder Musik von Rechner im Netzwerk anzuschauen oder auch direkt im Internet entsprechende Angebote nutzen. Sie können (fast) alles, was das Herz begehrt, auf die Frage, ob man damit auch direkt surfen könnte, konnte man aber nur antworten, dass man nicht damit rechne, dass dies überhaupt jemand will. Komisch, dass dann so eine Frage kommt. Vielleicht hätte man den Kunden mal fragen sollen? Denn soviel zusätzlich wäre das sicher nicht. Und bei einem Preis der an die 2000 Euro sicherlich rankommen wird, könnte man so etwas auch erwarten. Kundenorientierung Fehlanzeige.

Ein weiteres Topthema sind derzeit sicherlich auch mobile Navigationssysteme. Inzwischen kann sie sich fast jeder leisten und die Funktionen sind jeweils vielseitig. Auf dem Weg zur diesjährigen IFA hätte mir ein solches Gerät sicher gut geholfen. Anbieter gibt es hier sicherlich genug, so dass ich mich in diesem Bereich auch vorab schon ein wenig informiert habe. Interessant war mir dabei vor allem das neue Tomtom One. Bei diesem kann jeder die Karte korrigieren und somit mit allen anderen Tomtom-Usern stets aktuelles Kartenmaterial austauschen. Das wäre schon ein guter Pluspunkt, dadurch hätte ich mir sehr gerne eine Präsentation dazu angeschaut. Das wurde aber nicht angeboten, stattdessen gab es alle aktuellen Modelle zum selber testen und dazu entsprechende Berater. Man könnte damit rechnen, dass diese einen auch ein wenig beraten sollten, was aber glatte Fehlanzeige war. Auf die Frage, ob man den neuen Tomtom schon mit dabei habe, gab es nur die plumpe Antwort, dass man alle Geräte irgendwo(!) am Messestand habe, ich solle einfach mal gucken. Danach entfernte sich der Berater mit schnellem Schritt. Ich musste mir das Gerät dann also alleine anschauen, ohne Anleitung. Danke! Das ist also die IFA 2007 – das kann jeder Elektronikfachmarkt besser als ihr.

Das waren so grob die Highlights, mein persönliches Show-Highlight war die Show von Tobit Software über das Programm ClipInc, mit dem man Musik von Internetstream mitschneiden kann, ganz legal. Es sah einfach aus und man hatte das Gefühl, dass es echt perfekt ist. Zudem bot man die Vollversion gleich zum mitnehmen an. Natürlich probierte ich diese dann aus. Und? Nicht alles ist Gold was glänzt. Die Schneidepunkte waren lange die nicht so perfekt, wie präsentiert wurde und Vollversion? Nein! Es war keine andere Version als die, die frei verfügbar ist. Und mit der mitgegebenen funktionieren nicht alle Funktionen, die präsentiert wurden. Naja…

Auf dem Stand von Fujitsu-Siemens sah ich dann noch 2 Rechner, die durchaus meinen Wünschen entsprechen würden. Der eine war dann bei Nachforschungen allerdings doch etwas über dem geplanten und bei dem anderen Gerät gibt es noch gar keine weiteren Informationen. Mal abwarten.

Aber nicht nur vom gebotenen war ich nicht wirklich zufrieden, auch auf der IFA selbst setzte sich eine gewisse Orientierungslosigkeit durch. Denn die IFA ist groß und wirklich perfekt ausgeschildert ist nichts. Sicherlich findet man überall Übersichtpläne und Hallennummern, aber in dem Wirrwarr muss man sich dann trotzdem erstmal zurechtfinden. Hier gibt es sicherlich auch für die IFA 2008 Verbesserungsbedarf.

Bis 18 Uhr habe ich es natürlich auch nicht durchgehalten, sondern ich war schon etwa 15:30 Uhr wieder aus der IFA raus. Wenn man es zusammenfassen soll: Enttäuschend. Ich hatte mir da echt mehr erwartet. Vieles spielte sich dann auch nur für Fachbesucher im Hintergrund ab. Und wenn die IFA beim aktuellen Gesamtkonzept bleibt, braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man keine Besucherrekorde mehr einfährt, sondern die Zahl zukünftig eher sinkt. Ich werde wohl nicht gleich wieder kommen.




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