Der böse Fußball-Osten?

Wenn man in den Medien so manche Szene vom Rande eines deutschen Fußball-Spiels sieht, so stockt einem oft der Atem. Man kann fast sagen, dass Schlägereien hier an der Tagesordnung sind. Nicht zuletzt auch an diesem Donnerstag beim Spiel von Aue gegen Köln.
Bebildert beschreibt hier Justita Cologne in seinem Blog die Vorfälle des Tages. Doch wer ist Opfer und wer ist Täter? Wer ist schuldig? Sicherlich gehören, wie so oft, beide dazu. Natürlich erzählt jeder seine Geschichte, die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.

Ist das die neue deutsche Fußball-Kultur? Man möchte es nicht hoffen, doch wenn sich die Geschichten so weiterentwickeln, wird es wohl so bleiben. In meinen Augen spielen hier aber die Medien eine große Rolle. Ihre Berichterstattung ist oft subjektiv und stachelt die Massen auf. Wer hat nicht Angst vom Dynamo-Fan aus Dresden? Sicherlich ist in Dresden teils einiges schief gelaufen und sicher sind auch heute nicht alles wirkliche Fans, doch ich möchte behaupten, dass jeder Verein in ganz Deutschland ähnliche Probleme hat. Und wenn man dann bei mdr.de liest, dass der „Kölner Express“ sogar davon berichtet, dass Hooligans aus Dresden für die Ausschreitungen in Aue verantwortlich sind, dann weiss man, was man von solch einer Zeitung zu halten hat, jedenfalls als Dresdner. Leider schürt es aber gerade in den alten Bundesländer die Angst vor den kleinen Vereinen aus dem „Osten“. Ich konnte bisher immer vor, während und nach dem Spiel am Stadion lang laufen, ohne Fan zu sein, und mir ist nie etwas passiert. Aber da eilt wohl der schlechte Ruf der Realität voraus, und das bei der Tagespresse, die eigentlich aktuell berichten soll.

Die Polizei ist nicht zuletzt auch deutlich in Verruf geraten, so dass wir natürlich auf das altbewährte Problem stoßen: Vorurteile. Die „bösen“ Fans aus X gegen die „bösen“ Polizisten aus Y. Es ist klar, dass da die inneren Grenzen schon vorm Aufeinandertreffen klein sind. Da wird das Späßchen mit der Polizei schnell als Provokation gesehen, so dass die Polizei stärker auffährt, was den Fans natürlich wiederum wenig Spaß macht. Proteste führen zu Handgreiflichkeiten und das zur Schlägerei mit Verletzungen. Nein, es macht keinen Spaß, das weiter anzuschauen, sicher nicht. Aber der Mensch lebt von seinen Vorurteilen und handelt danach. Es ist also ein kleiner Teufelskreis, der kein Ende finden wird, so lange die Presse nicht sachlich richtig berichtet, und selbst dann könnte alles zu spät sein.


Wie soll man die jetzigen Vorurteile auch aus den Köpfen der Menschen bekommen? Fußball ist eine Emotionssache und man kann jetzt nicht anfangen zu berichten, dass in Dresden die heimischen Fans die Anhänger der auswärtigen Mannschaften zum Kaffee einladen. Wer soll das glauben? Im Stadion findet neben dem Kampf auf dem Rasen auch der verbale Kampf auf den Rängen statt. Genau das gehört auch dazu. Nur wann soll die Polizei einschreiten. Denn durch die Vorurteile kommt es eben auch schneller zur Schlägerei zwischen den Fans. Eben ein Teufelskreis.

Ein Danke geht an die Medien, die Kleinigkeiten zum Drama heraufgespielt haben und dies damit direkt gefördert haben. Eine Bitte geht aber an alle Fußball-Verrückten: Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht und kehrt auch erstmal vor der eigenen Tür! Gerade an diejenigen aus den älter Bundesländern, sicherlich ist an dem Ruf der Hooligans aus dem Osten irgendwo auch ne Wahrheit dran, aber auch hier wird normal Fußball gespielt und Hooligans gibt es überall. Letztlich sind es die wahren Fans, auf die es ankommt, dass wir aus diesem Dilemma rauskommen und das Spiel wieder als ein Fest ansehen können.




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2 Responses to “Der böse Fußball-Osten?”

  1. Lieber Autor, gerade die Dresdner Fan sind durch ihre Gewaltbereitschaft und ihren Rechtsradikalismus oft genug aufgefallen. Es ist nicht der Osten, aber es sind einzelne Verein, welche ein Problem haben oder sind. Leider sind es allzu oft die Stromerzeuger (Berlin, Dresden), welche ewig Gestrige sämtlicher politischen Spektren gewähren lassen.

    Vereine können soziale Probleme nicht für die Gesellschaft nicht lösen, aber sie dürfen auch keine Plattform für Gewalttäter und Radikale bieten.

  2. Schwieriges Thema über das man lange diskutierne kann. Sicherlich gibt es in jedem Verein die “schwarzen” Schafe und es gibt auch irgendwann aus jedem Verein mal negative Schlagzeilen zu lesen. Es wird durchaus meiner Meinung nach subjektiv berichtet. Und Dynamo steht nunmal in einer gewissen Schußlinie. Da wird jede “Kleinigkeit” direkt nochmal ausgewertet, es gibt große Reportagen und ähnliches.

    Wir Fans aus den neuen Bundesländern leben zum Teil ganz anders als hier in den alten Ländern, denke ich. Vorallem Dynamofans würde ich schon fast in Richtung fanatisch bezeichnen. Das muß nicht schlechtsein, solange es um den Support und die “Fanliebe” geht und die gewisse Grenze (Gewalt) eben nicht überschritten wird. Auch ich springe durch den Block, wenn der Schiri mal wieder Blödsinn (in meinen Augen) pfeift. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen Sachen zu werfen. Und da ist in meinen Augen der kleine Unterschied. Es gibt eben schon Fans, die Grenzen überschreiten. Diese gibt es aber bei sehr vielen Vereinen. Auch im Profifußball knallt es öfter mal.

    Es hat in meinen Augen auch einiges mit der Fankultur an sich zu tun und der gesamten gesallschaftlichen Struktur. Nehmen wir mal München, Dresden, Cottbus.

    In München hast du komplett andere wirtschaftliche Verhältnisse als beispielsweise in Cottbus. Da wird zum Beispiel Fußball vermutlich größtenteils als Unterhaltung oder als Event gesehen. Als wir (bin Energiefan) in die 2.Liga aufgestiegen sind, war das für die komplette Region, für jeden einzelnen Menschen ein riesiger Erfolg. Durch die Ängste und Sorgen im Alltag ist der Fußball für viele meiner Meinung nach der Lichtblick. Irgendwann tritt aber auch eine gewisse Sättigung ein und es kehrt “Normalität” ein. Mittlerweile zum 2.Mal in der Bundesliga ist von unserem Hexenkessel aus den ersten Jahren Profifußball nimmer soviel übrig.

    Und in Dresden hat man eben sehr emotionale Fans. Ich denke die Medien sind an ihrer Auflage interessiert und da macht sich eine Dresdengeschichte immer gut. Dresden ist eine bekannte Stadt mit massig Kultur, man war schonmal in der Bundesliga, der Bekanntheitsgrad ist deutlich höher als bei anderen Vereinen. Durch die DDR Oberliga hat man auch eine ziemliche Rivalität zwischen den CLubs und Dynamo hat nunmal in der DDR eine sehr “starke” Rolle im Fußball gespielt. (Hintergründe werde ich aber hier nicht darlegen) – da ist eben der Neid, Hass oder eben auf der anderen Seite die Zuneigung der Fans größer als woanders.

    Deswegen würde ich schon sagen, daß im “Osten” noch eine andere Fankultur herrscht. Viele Vereine sind noch nicht so stark dem Kommerz verfallen wie andere. Trotzdem sollte man nichts pauschalisieren. Vielleicht sollten gewisse Gruppierungen aus dem Stadion verbannt werden, wie bei anderen Vereinen. Auch bei Energie wurde ein Fanclub ausgeschlossen, obwohl man von ihnen sehr schöne Choreos usw. gesehen hat. Es hat große Proteste gegeben, aber die Vereine sollten schon durchgreifen.

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